Corona-Zusammenarbeit

Als Team gegen COVID-19

Die Gesundheitseinrichtungen wurden auf die Probe gestellt, als sich das Corona-Virus Anfang 2020 in der Schweiz ausbreitete. Mannigfaltig betroffen waren auch die Institutionen im Gesundheitscluster Lengg. So manche Erlebnisse zu einer Zeit mit grossen Herausforderungen, gemeinsamen Leid, viel Einfallsreichtum und grenzenloser Solidarität bleiben den Mitgliedern in Erinnerung. Das Fazit: Als Gemeinschaft kommen sie gestärkt aus dieser Krise.

«Zu Beginn der Ausbreitung von COVID-19 in der Schweiz waren wir alle stark mit den behördlichen Anweisungen und unseren eigenen Betrieben beschäftigt», erinnert sich Andrea Rytz, Präsidentin des Spitalclusters Lengg und CEO der Schulthess Klinik. Danach folgte Ende März 2020 eine Auslegeordnung auf Clusterebene. In wöchentlichen «Mittwuchabigcalls» schilderten die Direktoren der Einrichtungen ihre Herausforderungen im Haus, verfügbare Ressourcen oder aktuelle Fragestellungen und Tipps – dazu gehörte plötzlich auch die Abwicklung von Kurzarbeit. An kreativen Ideen und Lösungen mangelte es in dieser Zeit nicht: Von Kontakten zur Aviatik, um bei Bedarf benötigtes Material einzufliegen, über die Selbstversorgung mit Schutzkitteln bis hin zu COVID-19-Tests für Mitarbeitende. Alle Mitglieder des Gesundheitsclusters bemühten sich nach Kräften, einander in der Krise zu unterstützen.

Made in Switzerland

Gut ausgerüstet: Die Psychiatrische Uniklinik Zürich und die St.Galler Dock-Gruppe spannten zusammen, um Schutzmäntel zu produzieren.
Gut ausgerüstet: Die Psychiatrische Uniklinik Zürich und die St.Galler Dock-Gruppe spannten zusammen, um Schutzmäntel zu produzieren.

Aufgrund von internationalen Lieferengpässen, war es schwierig, das benötigte Schutzmaterial zu beschaffen. Dadurch entstand in allen Kliniken, die als COVID-19-A-Spital eingestuft wurden, ein Engpass. Diese Tatsache führte im Cluster zu einer kreativen Lösung: Kurzerhand spannte die Psychiatrische Uniklinik Zürich (PUK) mit der Dock-Gruppe, einer Sozialfirma in St.Gallen, zusammen. Sie konnten mehrere tausend Meter medizinische Stoffe bei Restposten Ostschweizer Textilfirmen beschaffen. Mitarbeitende der PUK entwarfen ein geeignetes Schnittmuster und so wurden in kürzester Zeit medizinische Schutzmäntel durch die Dock-Gruppe genäht. «Der gute Kontakt zu dieser sozialen Einrichtung war eine Win-Win-Situation. Die Mäntel sind komplett aus der Schweiz, qualitativ hervorragend und können bis zu 60 Mal verwendet werden», freut sich Markus Merz, CEO der Psychiatrischen Uniklinik. Besonders wichtig war beim Design der Schutzkittel, dass der Kragen korrekt sitzt und das Gewand sich «hygienisch» binden lässt. «Zuerst fanden wir nur Stoffe mit Blumenmuster. Doch dann gab es doch noch weisses Material», schmunzelt Merz. Sogar die Modefima Akris hat von der Not gehört und Merz bei der Produktion Hilfe angeboten. Doch da liefen die Nähmaschinen bereits auf Hochtouren.

Lieferengpass führte zu kreativer Lösung: Mitarbeitende der Dock-Gruppe nähen medizinische Schutzmäntel.
Lieferengpass führte zu kreativer Lösung: Mitarbeitende der Dock-Gruppe nähen medizinische Schutzmäntel.

Gelebte Solidarität

Auch die Schulthess Klinik konnte aufgrund des elektiven Behandlungs- und Operationsverbots ihre Ressourcen im Cluster anbieten. So erhielt die Klinik Hirslanden von der Schulthess Klinik 2‘500 FFP2-Masken, die sie selbst von der Rohstofffirma Holcim geschenkt bekommen hatte. Zudem entlieh die Schulthess Klinik der Hirslanden sieben Beatmungsgeräte und bot Lieferungen von kritischen Medikamenten wie Propofol und Sevofluran an. Weiter wurden zehn Ärzte der Schulthess Klinik für die bestehende Corona-Pandemie geschult, genauso wie 15 Anästhesie- und Intensivpflegemitarbeitende. Somit konnte die Anzahl der IPS-Betreuungsplätze bei der Klinik Hirslanden von 20 auf 35 erhöht werden.

Die Klinik Hirslanden konnte beim Ausbruch von COVID-19 in der Schweiz auf materielle und personelle Unterstützung der anderen Gesundheitseinrichtungen im Cluster Lengg zählen.
Die Klinik Hirslanden konnte beim Ausbruch von COVID-19 in der Schweiz auf materielle und personelle Unterstützung der anderen Gesundheitseinrichtungen im Cluster Lengg zählen.

Die Klinik Lengg, getragen von der EPI Stiftung und der Stiftung Zürcher Rehazentren, profitierte ebenfalls von der Zusammenarbeit im Cluster. So war sie Abnehmerin der von der Psychiatrischen Universitätsklinik hergestellten Schutzmäntel und hatte auch die Möglichkeit, von den FFP2-Masken der Schulthess Klinik zu profitieren. «Obwohl diese dann nicht zum Einsatz kamen, war die kurzfristige Verfügbarkeit des Materials für unsere Mitarbeitenden ein ganz wichtiges Signal. Die Angst vor zu wenig Schutzmaterial kann einen Betrieb schwer belasten», sagt die Chefin der Klinik Lengg, Julia Hillebrandt. Weiter ermöglichte die Schulthess Klinik mit einer pragmatischen «Container-Lösung» ein COVID-19-Testen der Gesundheitsfachpersonen.

Die Universitätsklinik Balgrist stellte dem Zentrallabor Zürich seine Labors für zusätzliche Testkapazitäten zur Verfügung. Zudem hat die Klinik kurzfristig eine Kinderhüeti für das Gesundheitspersonal im Cluster aufgebaut. Die Mathilde Escher Stiftung mit ihren Hochrisiko-Klienten der Muskeldystrophie Duchenne verzeichnete glücklicherweise keine COVID-19 erkrankten Personen. Daher war sie nur am Rande in die COVID-19-Aktivitäten des Clusters involviert. Da das Kinderspital auf der Lengg noch im Bau ist, spielte es beim Ausbruch der Pandemie ebenfalls keine aktive Rolle im Verein.

Besondere Hygienemassnahmen gehören auch bei der Mathilde Escher Stiftung zur Tagesordnung.
Besondere Hygienemassnahmen gehören auch bei der Mathilde Escher Stiftung zur Tagesordnung.

Im gleichen Boot

Wo eine Zusammenarbeit nötig war, funktionierte sie bestens – so das einstimmige Fazit der Vereinsmitglieder. «Es herrschte eine grosse Hilfsbereitschaft, Solidarität und unkomplizierte Kooperation», bedankt sich Dietmar Mauer, Direktor der Klinik Hirslanden bei den Vereinsmitgliedern. Auch Andrea Rytz, Präsidentin des Gesundheitsclusters Lengg, ist begeistert: «Auf Worte folgten Taten. Wir waren eine Gemeinschaft, ein Team». Jeder hat seine Fähigkeiten, Ideen und sein Netzwerk eingebracht. Von Vorteil waren dabei frühere Erfahrungen beim Austausch von Personal im Cluster. Doch sie präzisiert: «Was wir jetzt erlebt haben, lässt sich nicht mit Verträgen und Workshops vorbereiten. Es war Menschlichkeit. Trotz Konkurrenz waren wir auch Freunde. Wir sitzen alle im gleichen Boot und haben gemeinsam gelitten», so Rytz.

Damit bewies die Corona-Krise, dass das Gesundheitscluster Lengg mehr ist als ein Verein auf dem Papier – es ist eine Gemeinschaft. Das Cluster hält nicht nur in Krisenzeiten zusammen, es ist auch ein eingespieltes Team.